03/2020 Konzept für neue Stadtwerke-Zentrale ist Stadtentwicklungs- und Verkehrspolitik von vorgestern!

Die Stadtwerke Leipzig planen eine neue Unternehmenszentrale auf dem Unternehmensgelände Südost an der Arno- Nitzsche-Straße. Das Gelände ist derzeit noch wenig genutzt und bildet durch seinen verschlossenen und fest eingezäunten Zustand eine sehr breite, nicht durchquerbare Barriere zwischen den Stadtteilen Lößnig und Connewitz, die eine hohe Anzahl an Wohnbevölkerung haben. Die Verbindung zwischen den Stadtteilen ist im Moment nur umständlich und weit über die vorhandenen Straßen oder gefährlich und illegal über den Trampelpfad am Bahngelände möglich. Auch steht derzeit angrenzend und isoliert das eingeschlossene Panometer-Gelände, was auch gut mit einzubinden wäre. 

Details der Planungen sind derzeit über die Presseberichterstattung hinaus nicht bekannt. 

Hierzu äußert sich Katharina Krefft, Fraktionsvorsitzende und Aufsichtsratsmitglied beim Stadtkonzern LVV: 

„Die nun bekannt gegebenen Planungen für das Gesamtareal zeugen nicht davon, dass die Stadt- und Unternehmensspitze nach vorn denkt… 
Stattdessen plant man ein Gelände, welches sich auch künftig nach außen hin abschottet. Statt alle Möglichkeiten zu nutzen, einerseits die vielfältigen Bedarfe der Bürgerinnen und Bürger einfließen zu lassen, andererseits die Stadtwerke als kommunalen Energieversorger in die Bürgerschaft hinein erlebbarer zu machen, bleibt das Gelände für Passant*innen weiter verschlossen. Wir Grüne fordern eine barrierefreie Durchwegung des Areals zwischen den beiden aufeinander zuwachsenden Stadtteilen an der Richard-Lehmann- und Arno-Nitzsche-Straße. Wir regen an, die Nutzung einiger Flächen dieses riesigen Gebietes als zum Beispiel Spiel- oder Sportflächen, ggf. sogar als einen „Energie-Erlebnispark“ aktiv voran zu treiben und so die einmalige Chance zu nutzen, den Stadtteil deutlich aufzuwerten. 
Auch die im Sportprogramm von uns Grünen verankerte neue Schwimmhalle Süd würde sich in das Gebiet wunderbar einbinden – dies alles scheint aber nicht gewollt zu sein und aktiv verhindert zu werden! 
Die Chance, in einer visionären Architektur die Themen ‚Energie‘ und ‚Wärme‘ zu verankern, wurde vertan. Die Entwicklung des Gesamtgebietes hätte die Erarbeitung eines Masterplanes mit Bürgerbeteiligung erfordert. Auf beides wurde bewusst verzichtet, die Stadtwerke scheinen sich hier nicht hineinreden lassen zu wollen.“ 

Die Stadtwerke wollen nach eigenen Angaben einen autofreien Campus und nur an dessen Rand Stellplätze realisieren. Hierzu äußert sich Kristina Weyh, Stadträtin und verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion: 

„Von einem autofreien Campus zu sprechen, entbehrt jeder Realität und erscheint wie ein schlechter Witz. Am Rande des Unternehmensgeländes sind 600 ebenerdige Stellplätze geplant, was nicht nur einer gigantischen Flächenversiegelung zum Abstellen von Autos entspricht, sondern die Mitarbeiter*innen regelrecht dazu einlädt, mit dem Auto ins Unternehmen zu fahren. Das ist kein zeitgemäßes Verkehrskonzept, das ist Verkehrspolitik von vorgestern! Hier fordern wir Oberbürgermeister Jung dazu auf, die Stadtwerke zu einem Stopp eines solchen Irrsinns zu zwingen, stattdessen endlich an einem echten Mobilitätskonzept für den Standort zu arbeiten, welches den Namen verdient und sich zwingend an den Zielen des einstimmig vom Stadtrat beschlossenen Nachhaltigkeitsszenarios orientiert!“ 

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat zum Sachverhalt noch vor Weihnachten eine umfangreiche Anfrage an den Oberbürgermeister gerichtet, die in der kommenden Stadtratssitzung am 22. Januar zur Beantwortung kommen wird. 

Michael Schmidt, Stadtrat und seit fast zehn Jahren für die Fraktion im Aufsichtsrat der Leipziger Verkehrsbetriebe aktiv, ergänzt: 

„Nach der nun erfolgten, vermutlich auf unserer öffentlichen Anfrage beruhenden Veröffentlichung der Stadtwerke wird unser Fokus auf der verkehrlichen Erschließung des Gesamtgeländes liegen. Hier braucht es nach unserem jetzigen Kenntnisstand dringende Umplanungen, um nicht einen kapitalen Fehler einzuleiten. Die Zukunft darf nicht darin liegen, dass Menschen allein im eigenen Auto zur Arbeit fahren und noch zu einem solchen Mobilitätsverhalten durch entsprechende Angebote eingeladen werden. Mit dem Slogan des Stadtkonzerns „Wir sind Leipziger“ sollte man auch erwarten können, dass Mitarbeitende der Stadtwerke zur Nutzung der umfangreichen Angebote der LVB motiviert werden und auch zu deren Mobilitäts- und Entwicklungszielen stehen! Das Gegenteil scheint aber von den Stadtwerken forciert zu werden. Diese Fehlsteuerung lässt den Leitspruch „Wir sind Leipziger“ eher wie eine leere Hülle um die Unternehmen des Stadtkonzerns wirken, statt wie eine wirkliche Leitkultur.“