Pressemitteilung 31.03.2020

Stadt geht lange erwarteten ersten Schritt zur Einrichtung eines neuen 
Gemeinwesenzentrums für Dölitz, Lößnig und Dösen



Mehr als drei Jahre nach Beschluss des von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen initiierten Antrages zur Errichtung eines gemeinwesenorientierten Stadtteilzentrums für die Stadtteile Dölitz, Lößnig, Dösen und Marienbrunn ist mit Veröffentlichung der Vorlage VI-DS-05781-NF-01 endlich der konzeptionelle Schritt erfolgt. Die Vorlage beschreibt die Problemlagen und Bedarfe der Stadtteile des äußeren Südens und leitet daraus den Bedarf an einer Angebots- und Beteiligungsstruktur im Stadtteilzentrum, die in den gesamten Stadtteil ausstrahlt und auf lange Sicht dessen Bewohnerschaft aktiviert und deren Bereitschaft für zivilgesellschaftliches Engagement stärkt. 

Hierzu Katharina Krefft, Fraktionsvorsitzende und sozialpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen: 

„Genau diese und darüberhinausgehende Problemlagen zeichnen das Bild, welches wir bereits 2016 zum Anlass für unseren Antrag genommen haben, fort. Wir haben seit der Beschlussfassung wertvolle Zeit verloren, die Probleme haben sich weiter verfestigt, statt aufgelöst. Lößnig und auch die benachbarten Stadtteile brauchen dringend das von uns geforderte gemeinwesenorientierte Stadtteilzentrum, um den gewachsenen Problemlagen zu begegnen und ein Angebot für Familien, Jugendliche und Senior*innen entstehen zu lassen. Mit dem nun seitens der Verwaltung aufgelegten Konzept ist endlich die Grundlage entstanden, mit der umgehend die weiteren Schritte gegangen werden müssen. Und genau hier bleiben die Ausführungen zu unkonkret und lassen die klare Stoßrichtung vermissen. Weiterhin bleibt es nebulös, ob eine Sanierung des städtischen Objektes in der Johannes-R.-Becher-Straße 22 zielführend ist, um die sozialräumlichen und baulichen Anforderungen zu erfüllen oder ob die Anmietung anderer verfügbarer Räume oder gar ein Neubau die bessere Wahl wäre. Hier hätte ich mir nach drei Jahren Prüfung konkretere Aussagen gewünscht. Fakt ist, dass wir nicht weitere drei oder mehr Jahre bis zu einer Lösung ins Landgehen lassen dürfen.“ 

Michael Schmidt, jugendpolitischer Sprecher der Fraktion und stv. Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, ergänzt: 
„Kinder- und Jugendarbeit sowie der familiären Hilfen ist Dölitz, Dösen und insbesondere in Lößnig sind seit Jahren überfällig. Die Vorlage beschreibt das Dilemma sehr deutlich, indem die Unterversorgung an beratenden, unterstützenden und kulturellen Angeboten im Ortsteil bestätigt und gleichzeitigt betont wird, dass die fehlenden Beratungs- und Informationsangebote sowie die Möglichkeiten der gemeinsamen Freizeitgestaltung für Familien die skizzierten Problemlagen verschärfen. Das „Paradise“ als Einrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit kann die seit langen Jahren sichtbaren Probleme nicht allein lösen, insofern erhoffen wir uns von dem gemeinwesenorientierten Zentrum einen neuen Schub für den Stadtteil, der kooperativ alle Akteure und Zielgruppen zusammenbringt und voneinander profitieren lässt. 

Katharina Krefft: „Der Aufbau von aktivierender Gemeinwesenarbeit unter Beteiligung der Anwohnenden und ihrer Ideen und Kräfte soll endlich an den längst bekannten Problemlagen arbeiten. Aufgrund der Gegebenheiten sollen demokratische Einflussmöglichkeiten und die Erfahrung der Selbstwirksamkeit möglich werden. 
Nun müssen wir schnellstmöglich über die konzeptionelle Ebene hinauskommen, die Standort- und Trägerfrage klären und mit dem nächsten Doppelhaushalt die notwendigen Mittel für die Planungsleistungen sowie die anschließende Sanierung oder Neubau einplanen. Unsere Fraktion wird auf diese nächsten Schritte entschlossen drängen, damit nicht noch mehr Zeit verloren geht, die der Stadtteil nicht hat.“ 

Knapp 37% der untersuchten Lößniger Vorschulkinder zeigten im Untersuchungsjahr 2018 sprachliche Auffälligkeiten und 13,8 % Auffälligkeiten im Verhalten. Die gymnasialen Bildungsempfehlungen waren 2018 mit 47,7 % im Vergleich zum gesamten Planungsraum Mitte/Süd mit allen Ortsteilen (65,1 %) unterdurchschnittlich. Auch leben in Lößnig vergleichsweise viele Personen in Bedarfsgemeinschaften und beziehen Leistungen nach dem SGB II. Viele, insbesondere Lößniger Kinder und Jugendliche, wachsen in prekären finanziellen Verhältnissen auf. Die Anzahl der Fälle im Bereich Kindeswohlgefährdung ist steigend und mit dem vermehrten Einsatz sozialpädagogischer Familienhilfen verbunden.
Die Altenquote fiel 2018 mit 59,9 fast doppelt so hoch aus wie der Wert für die Gesamtstadt (30,9). Das Durchschnittsalter der Lößniger Bevölkerung lag mit einem Altersdurchschnitt von 49,1 Jahren ebenfalls deutlich über dem städtischen Durchschnitt von 42,4 Jahren. Die Zahl hochbetagter und damit häufig alleinlebender Einwohnerinnen und Einwohner nimmt zu. 

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